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Différentes certifications et ce qu'elles signifient

Verschiedene Zertifizierungen und was sie bedeuten

Zertifizierungsstandards erklärt: EN 13432 vs. EN 17427 – Was bedeuten diese Zertifizierungen wirklich?

Beim Kauf von kompostierbaren Beuteln oder bei der Auswahl von Verpackungen für ein nachhaltiges Unternehmen stößt man häufig auf Zertifizierungen wie EN 13432, EN 17427, OK Compost oder BPI. Diese Kennzeichnungen werden oft als Beleg für Umweltverantwortung dargestellt, ihre tatsächliche Bedeutung und Reichweite sind jedoch vielen nicht vollständig klar. Ein genaues Verständnis dieser Zertifizierungen ist entscheidend, um fundierte Kaufentscheidungen zu treffen und sicherzustellen, dass kompostierbare Verpackungen unter realen Kompostierungsbedingungen tatsächlich wie versprochen funktionieren.

Warum Zertifizierung entscheidend ist: Greenwashing verhindern

Der Markt für kompostierbare Verpackungen ist in den letzten zehn Jahren stetig gewachsen, angetrieben durch regulatorischen Druck, Nachhaltigkeitsziele von Unternehmen und die Nachfrage der Verbraucher nach Alternativen zu herkömmlichen Kunststoffen (European Bioplastics). Parallel zu diesem Wachstum hat auch Greenwashing zugenommen – Produkte, die als „kompostierbar“ vermarktet werden, ohne dass eine glaubwürdige unabhängige Prüfung vorliegt. Verpackungen, die sich in Kompostiersystemen nicht ordnungsgemäß abbauen, können Bioabfallströme verunreinigen, Kompostierungsprozesse stören und zur Mikroplastikverschmutzung beitragen, anstatt diese zu verhindern (European Commission).

Genau hier setzt die Drittzertifizierung an. Zertifizierte Produkte werden unabhängig anhand klar definierter technischer Standards geprüft, um sicherzustellen, dass sie biologisch abbaubar sind, sich ausreichend zersetzen und die Qualität des Komposts nicht beeinträchtigen. Trägt ein Produkt das Seedling-Logo, das OK-Compost-Zeichen oder eine BPI-Zertifizierungsnummer, bedeutet dies, dass es standardisierte Labor- und praxisnahe Tests bestanden hat – und nicht lediglich auf Marketingaussagen basiert (DIN CERTCO; TÜV Austria; BPI).

EN 13432: Der europäische Standard für industrielles Kompostieren

EN 13432 ist der maßgebliche europäische Standard für kompostierbare Verpackungen, die für industrielle Kompostieranlagen bestimmt sind. Der offizielle Titel lautet „Verpackung – Anforderungen an Verpackungen, die durch Kompostierung und biologischen Abbau verwertet werden können“. Der Standard definiert die Voraussetzungen, unter denen Verpackungsmaterialien in kontrollierten, hochtemperierten Kompostierungsumgebungen, die von professionellen Entsorgungsbetrieben betrieben werden, als kompostierbar gelten (Europäisches Komitee für Normung – CEN).

Anforderungen der Norm EN 13432

Um die Zertifizierung nach EN 13432 zu erhalten, muss ein Produkt vier zentrale Anforderungen erfüllen.

Erstens verlangt die Biodegradationsprüfung, dass mindestens 90 % der organischen Substanz innerhalb von 180 Tagen unter industriellen Kompostierungsbedingungen in Kohlendioxid, Wasser und Biomasse umgewandelt werden. Die Prüfungen erfolgen typischerweise bei Temperaturen von etwa 55–60 °C und stellen sicher, dass ein echter chemischer Abbau auf molekularer Ebene stattfindet und nicht nur eine oberflächliche Fragmentierung (CEN EN 13432; European Bioplastics).

Zweitens überprüft die Desintegrationsprüfung, dass nach 12 Wochen kontrollierter Kompostierung höchstens 10 % des Materials in Fragmenten größer als 2 mm verbleiben. Dadurch wird verhindert, dass sichtbare, kunststoffähnliche Rückstände den fertigen Kompost verunreinigen (CEN EN 13432).

Drittens stellt die chemische Charakterisierung sicher, dass das Material festgelegte Grenzwerte für Schwermetalle und andere potenziell schädliche Substanzen nicht überschreitet. Dies dient dem Schutz der Bodenqualität und der landwirtschaftlichen Sicherheit beim Einsatz des Komposts (CEN EN 13432; TÜV Austria).

Schließlich bestätigen Ökotoxizitätstests, dass Kompost, der das geprüfte Material enthält, das Pflanzenwachstum nicht negativ beeinflusst und somit für landwirtschaftliche und gärtnerische Anwendungen geeignet bleibt (CEN EN 13432).

Zertifizierungsstellen und Kennzeichnungen

Die Zertifizierung nach EN 13432 wird von akkreditierten Stellen durchgeführt, insbesondere von TÜV Austria und DIN CERTCO. Entsprechend zertifizierte Produkte dürfen das Seedling-Logo oder das Zeichen OK Compost Industrial tragen und erhalten eine eindeutige Registrierungsnummer, die in den offiziellen Datenbanken der Zertifizierungsstellen überprüft werden kann (DIN CERTCO; TÜV Austria).

Was EN 13432 nicht garantiert

Wichtig ist, dass die Norm EN 13432 keine Heimkompostierbarkeit bescheinigt. Produkte, die dieser Norm entsprechen, sind für industrielle Kompostierungsumgebungen konzipiert und bauen sich nicht zwangsläufig in Gartenkompostern, im Boden, in marinen Umgebungen oder auf Deponien ab. Zudem hängt die tatsächliche Akzeptanz solcher Produkte von den betrieblichen Parametern der jeweiligen Kompostieranlage ab (European Commission; European Bioplastics).

EN 17427: Der europäische Standard für Heimkompostierung

Während sich EN 13432 auf industrielles Kompostieren bezieht, ist EN 17427, veröffentlicht im Jahr 2022, der erste europäische Standard, der speziell für Tragetaschen geeignet für die Heimkompostierung entwickelt wurde. Heimkompostiersysteme arbeiten bei niedrigeren und stärker schwankenden Temperaturen und werden von Privatpersonen statt von Fachpersonal betrieben, was einen grundlegend anderen Prüfansatz erfordert (CEN EN 17427:2022).

Was EN 17427 auszeichnet

Die Norm EN 17427 definiert ein Prüfverfahren, mit dem bewertet wird, ob Tragetaschen unter gut geführten Heimkompostierungsbedingungen biologisch abbaubar und ausreichend desintegrierbar sind – in der Regel über einen Zeitraum von mindestens 12 Monaten. Dabei werden Materialcharakterisierung, Biodegradation bei mesophilen Temperaturen, physikalische Zersetzung über einen realistischen Heimkompostierungszyklus sowie die Auswirkungen von Rückständen auf die Kompostqualität und die Bodengesundheit untersucht (CEN EN 17427:2022).

Im Gegensatz zum industriellen Kompostieren, bei dem Temperatur und Belüftung streng kontrolliert sind, berücksichtigt EN 17427 ausdrücklich die Variabilität privater Kompostsysteme. Die Norm gilt nicht für industrielles Kompostieren, Wurmkompostierung, unkontrollierte Umgebungen oder Aussagen zur biologischen Abbaubarkeit in der freien Natur (CEN EN 17427:2022).

Zertifizierung und Marktrelevanz

Zertifizierungssysteme auf Basis der Norm EN 17427, wie DINplus Home Compostable Carrier Bags, ermöglichen es Herstellern und Händlern, glaubwürdig zu kommunizieren, dass ihre Produkte für die Heimkompostierung geeignet sind. Da immer mehr europäische Kommunen die häusliche Behandlung von Bioabfällen fördern, stellt die Zertifizierung nach EN 17427 einen klaren Wettbewerbsvorteil für Marken dar, die umweltbewusste Verbraucher ansprechen (DIN CERTCO).

Zusammenspiel von EN 13432 und EN 17427 in der Praxis

Der grundlegende Unterschied zwischen den beiden Normen liegt in den jeweiligen Einsatzumgebungen. EN 13432 gilt für hochtemperierte, professionell betriebene industrielle Kompostieranlagen, während EN 17427 auf niedrigere Temperaturen und längere Zyklen der Heimkompostierung ausgerichtet ist. Produkte, die nach EN 17427 zertifiziert sind, erfüllen in der Regel auch die Anforderungen der EN 13432, umgekehrt gilt dies jedoch nicht zwangsläufig (European Bioplastics).

Internationale Äquivalente und globale Ausrichtung

Außerhalb Europas existieren vergleichbare Standards. ASTM D6400, der in Nordamerika angewendet und durch das Biodegradable Products Institute (BPI) zertifiziert wird, ist in seiner Zielsetzung weitgehend mit EN 13432 für industrielles Kompostieren vergleichbar. AS 4736 erfüllt eine ähnliche Funktion in Australien und Neuseeland, während AS 5810 dort die Heimkompostierbarkeit abdeckt. Viele international tätige Marken streben mehrere Zertifizierungen an, um ihre Konformität und Glaubwürdigkeit in verschiedenen Märkten sicherzustellen (BPI; Australasian Bioplastics Association).

Bedeutung für Verbraucher und Unternehmen

Für Verbraucher bieten Zertifizierungskennzeichnungen die Sicherheit, dass ein Produkt unabhängig geprüft wurde. Dabei ist es entscheidend zu verstehen, ob ein Produkt für industrielles oder für häusliches Kompostieren zertifiziert ist und ob die lokale Abfallinfrastruktur diesen Weg unterstützt (European Commission).

Für Unternehmen bedeutet die Beschaffung zertifizierter kompostierbarer Verpackungen mehr als nur das Vorhandensein eines Logos zu prüfen. Zertifikatsunterlagen müssen verifiziert werden, und die Materialauswahl muss mit den tatsächlich verfügbaren Kompostiersystemen übereinstimmen. Eine Fehlanpassung birgt ökologische, regulatorische und reputative Risiken, während eine transparente Kommunikation über Zertifizierungen Vertrauen schafft und ein hochwertiges Marktpositionierung unterstützt (European Bioplastics).

Regulatorischer Ausblick

Innerhalb der Europäischen Union werden Aussagen zur Kompostierbarkeit zunehmend reguliert. Im Rahmen der Verordnung über Verpackungen und Verpackungsabfälle (PPWR) müssen Kompostierbarkeitsaussagen durch anerkannte Standards wie EN 13432 oder gleichwertige Zertifizierungen belegt werden. Damit wird Zertifizierung von einem optionalen Marketinginstrument zu einer rechtlichen und kommerziellen Notwendigkeit (European Commission, PPWR).

Fazit

Die Normen EN 13432 und EN 17427 sind das Ergebnis jahrzehntelanger wissenschaftlicher Forschung und praktischer Erfahrung, umgesetzt in verbindliche technische Anforderungen. Sie dienen dazu, irreführende Aussagen zu verhindern, Kompostiersysteme zu schützen und sicherzustellen, dass kompostierbare Verpackungen tatsächlich einen ökologischen Mehrwert liefern. Zertifizierungen sind keine austauschbaren Labels, sondern präzise technische Garantien, die an spezifische Kompostierungsumgebungen gebunden sind. Für Unternehmen wie für Verbraucher ist die bewusste Auswahl zertifizierter Produkte – und die Überprüfung dieser Zertifizierungen – entscheidend, um eine wirklich funktionierende Kreislaufwirtschaft zu unterstützen, statt unbeabsichtigt zu Greenwashing beizutragen.

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